0 days to go
22.03 - 24.03.2022
Dauer: 3 Tage
Virtuell
2015 Teilnehmende

Herzlich willkommen

Bildreihe Kongress

 

Jetzt anmelden

Schon angemeldet?

Hier Einloggen

Der Kongress Armut und Gesundheit schafft seit 1995 ein kontinuierliches Problembewusstsein für gesundheitliche Ungleichheit in Deutschland. An drei Veranstaltungstagen tauschen sich Akteur*innen aus Politik, Wissenschaft, Gesundheitswesen, Praxis und Selbsthilfe zu Themen gesundheitlicher Ungleichheit aus. Aktuelle Forschungsergebnisse werden ebenso diskutiert und vertieft wie neue Strategien, Lösungsansätze und Erfahrungen. Die vergangenen Kongresse haben bereits eine Vielzahl neuer Kooperationen auf den Weg gebracht und Entwicklungen und Diskussionen angestoßen.

Mit dem Engagement aller Akteur*innen und Teilnehmenden des Kongresses erfährt eine heterogene Gruppe von Menschen eine Lobby, die oftmals wenig Unterstützung erhält.

Kongressprogramm

Soziale Determinanten: "Welche Rolle spielen institutionelle Kontexte in der Erklärung gesundheitlicher Ungleichheiten?"

H2 - Lebenswelten II

13:15 - 14:45

Sozioökonomische Ungleichheiten prägen die Gesundheit der Menschen früh im Laufe ihres Lebens mit langfristigen Folgen. Dabei wird die individuelle Lebenswelt in jeder Lebensphase von Merkmalen institutioneller Systeme wie Familie, Kindergarten, Schule und Arbeitsplatz, in denen die Menschen aufwachsen, leben und lernen, beeinflusst. Die Forschergruppe 2723 „Understanding the institutional context of health inequalities among young people. A life stage approach“ untersucht, wie institutionelle Kontexte von der Geburt bis zum jungen Erwachsenenalter mit der Entstehung gesundheitlicher Ungleichheiten zusammenhängen.

Dieses Fachformat konzentriert sich auf die Rolle von Kontextfaktoren der Mesoebene für sozioökonomische Ungleichheiten in der Gesundheit. Gemeint sind damit Einflüsse auf der Kontextebene (institutionelle Merkmale der Familie, Kita, Schule, Ausbildung und Gesundheitssystem) sowie deren kompositionellen Merkmale.

Es werden Ergebnisse der Forschergruppe berichtet, die auf Scoping Reviews zu dem Thema basieren als auch auf Sekundärdatenanalysen beruhen. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Familie, Kita, Schule, Ausbildung und auch das Gesundheitssystem eng mit der Gesundheit und gesundheitlichen Ungleichheiten verzahnt ist. Einige Merkmale stechen dabei stärker heraus als andere.

Die Rolle institutioneller Kontexte für Gesundheit und gesundheitliche Ungleichheiten von der Geburt bis zum Erwachsenenalter soll systematisch aufgearbeitet werden und dahingehend entsprechende Empfehlungen für Prävention und Gesundheitsförderung identifiziert werden.

Eltern-Kind-Interaktion, elterliche Bildung und Sprachenwicklung in der frühen Kindheit

Anhand der Daten der BaBi-Geburtskohorte wurde untersucht, ob der Zusammenhang zwischen elterlicher Bildung und Sprachentwicklung von 3-Jährigen durch Merkmale im Sinne des Familien Investment Models vermittelt wird. In Marginal Mediation Analysen zeigte sich, dass die Merkmale TV-Zeit (-.027; 95% KI: -.065- -.001) und Bücher schauen (-.023; 95% KI: -.053- -.004) signifikant einen Teil der Assoziation zwischen elterlicher Bildung und Sprachentwicklung mediieren.

Sozioökonomischer Status und Adipositas bei Jugendlichen: Wird der Zusammenhang über Familienfaktoren mediiert?

Die gesundheitlichen Folgen von Adipositas vor allem für junge Menschen sind hinreichend bekannt. Dieser Beitrag untersucht anhand von Längsschnittdaten der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Basis, KIGGS 1 und KiGGS 2) ob und welche Familienfaktoren den Zusammenhang von sozioökonomischen Indikatoren und Adipositas bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen mediieren.

Die Rolle von individuellen Faktoren und Kindergarten-Merkmalen in Bezug auf den BMI bei Kindergartenkindern

Der Zusammenhang von individuellen Faktoren und Kindergarten-Merkmalen mit dem BMI unterscheidet sich für Mädchen und Jungen. Bei Mädchen spielt die elterliche Berufsausbildung eine Rolle, während bei Jungen die Kindergarten-Merkmale durchschnittliche Gruppengröße und Anzahl übergewichtiger Kinder in der Gruppe im Zusammenhang mit dem BMI stehen. Zur Prävention von Übergewicht sollen demnach auch Merkmale des Kindergartens und bestehende Geschlechterunterschiede berücksichtigt werden.

Die Bedeutung der Schulmerkmale für gesundheitliche Ungleichheiten im Jugendalter

Kontextuelle und kompositionelle Merkmale der Schulumwelt zeigen einen geringen bis moderaten, jedoch signifikanten Einfluss auf gesundheitliche Ungleichheiten Schüler*innen. Eine Übersichtsarbeit fasste 26 Studien zusammen mit Blick auf zahlreiche Merkmale zusammen (z.B. durchschnittliche sozioökonomische Position, Schulklima, Sportstätten). Günstige Merkmale auf der Mesoebene mildern zumeist negative Auswirkungen einer niedrigen individuellen sozioökonomischen Position auf die Gesundheit ab.

Gesundheitliche Ungleichheiten beim Übergang von der Schule in den Beruf - eine Längsschnittanalyse

Diese Studie untersuchte Veränderungen der allg. Gesundheit zwischen 14-24 Jahren in Abhängigkeit vom Bildungsweg in einer Kohorte von 11,500 Neuntklässlern (Nationales Bildungspanel). Vier Übergangsarten wurden unterschieden: Universitätslaufbahn; betriebliche & schulische Berufsausbildung; unregelmäßiger Übergang. Im Vergleich zu Studierenden war der Gesundheitsverlauf für die drei anderen Übergänge ungünstiger, auch unter Kontrolle der elterlichen sozialen Position & Gesundheit zu Baseline.

Analyse von sozioökonomischer Ungleichheit in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen – Erkenntnisse aus der Literatur und Krankenkassendaten

Ungleichheit in der Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen existiert sogar in Ländern mit umfassenden Krankenschutz. Mittels Scoping-Reviews & quantitativer Analyse von Routinedaten untersuchen wir die Meso-Ebene Faktoren des Gesundheitssystems, die dies erklären. Die Merkmale des Gesundheitssystems beeinflussen die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen. Entscheidende Merkmale des Gesundheitssystems können angepasst werden, um die Ungleichheit in der Inanspruchnahme zu reduzieren.

Themenfelder
  • Soziale Determinanten
Sprecher*innen
Dr.in Claudia Hövener
Robert Koch-Institut
Dr. Jens Hoebel
Robert Koch-Institut
Lydia Sander
Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg
Miriam Blume
Robert Koch-Institut
Iryna Iashchenko
Technische Universität München
Prof. Dr. Nico Dragano
Universitätsklinikum Düsseldorf, Heinrich Heine Universität Düsseldorf
Max Herke
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Dr. Raphael Herr
Universität Heidelberg
Philip Bammert
Technische Universität München

Foto aus dem Lichthof an der TU Berlin

Foto: André Wagenzik